Schleife – Kajakträume, Kürbishelden und nackte Tatsachen
Nach Görlitz war klar: Jetzt wird’s nass. Unser Itiwit-Kajak wartete schon viel zu lange auf seinen großen Auftritt, und der Halbendorfer See schien wie gemacht für ein Comeback auf dem Wasser. Also: Internet durchforstet, ein hübsches Plätzchen gefunden, Motor gestartet und ab zum Halbendorfer See.
Der See teilt sich ganz demokratisch auf: Auf der einen Seite die Textilfraktion mit Badehose, Bikini und Sonnenhut. Auf der anderen – deutlich kleiner, aber charmant – die Freikörperkultur. Und da wir uns nicht so leicht von Stoff einschränken lassen, war klar: Wir schlagen unser Lager auf der textilfreien Seite auf. Nachsaison sei Dank: kaum Menschen, viel Ruhe, und ein Sandstrand, der direkt zum Faulenzen einlädt.
Erstmal ankommen, Markise raus, Seitenwand rein, Premiere für unser neues Zubehör. Und siehe da: weniger Wind, mehr Gemütlichkeit.


Das Dorf Schleife, obersorbisch Slepo ist ein Ort mit rund 2531 Seelen und gehört zum Landkreis Görlitz in Ostsachsen. Klein, aber mit Charakter.
Ein Spaziergang durchs Dorf? Überraschend spannend. Zwischen schicken Neubauten und urigen Häuschen stolperten wir über ein Kürbisfeld – und über dessen stolzen Besitzer. Der Koloss auf dem Foto mit Ralf bringt sage und schreibe 200 Kilo auf die Waage und soll bald zur Kürbiswiegemeisterschaft antreten. Wir drücken die Daumen, Kürbisgold für Schleife!






Was uns auch auffiel: Alle Straßenschilder sind zweisprachig. Deutsch und Sorbisch, überall. Ein schönes Zeichen für gelebte Kultur. Das Essen beim Italiener war ein Gedicht – die musikalische Untermalung allerdings… sagen wir mal: Schlager ist Geschmackssache.
Und dann: Sonne satt. Die nächsten Tage verbrachten wir lesend, schwimmend, dösend und einfach nur glücklich am Strand. Während zu Hause offenbar Weltuntergang herrschte, genossen wir Sommer deluxe.















Wenn der Himmel tanzt – Abendstimmung am See
Gerade als wir dachten, der Tag am Halbendorfer See hätte all seine Highlights ausgespielt, schenkte uns die Natur noch ein ganz besonderes Finale. Die Sonne war längst dabei, sich hinter den Baumwipfeln zu verabschieden, als plötzlich Bewegung in den Himmel kam.
Vögel. Unzählige Vögel. Wir vermuten, es waren Stare, diese kleinen Flugakrobaten mit großem Gemeinschaftssinn. Aus allen Himmelsrichtungen strömten sie heran, als hätten sie sich zum abendlichen Meeting verabredet. Über dem See formierten sie sich zu einem tanzenden Schwarm, der sich wie ein lebendiger Teppich über das Wasser legte. Mal wirbelnd, mal schwebend, mal wie von einer unsichtbaren Choreografin geführt.
Und dann, wie auf ein geheimes Kommando, zogen sie geschlossen weiter zu ihrem Schlafbaum, irgendwo am Rand des Sees. Ein Naturschauspiel, das uns sprachlos machte. Kein Filter, keine Inszenierung einfach nur Leben in seiner schönsten Form.
Solche Momente sind es, die Reisen unvergesslich machen. Und genau deshalb erzählen wir euch davon.



Ach ja, das Kajak… sollte eigentlich zum Einsatz kommen. Aber Ralf hatte sich schon in Eibenstock einen Zong im Rücken geholt… nix zu machen. Dafür bin ich einmal quer durch den See geschwommen. 500 Meter hin, 500 zurück. Und weil der Textilstrand gegenüber lag, gab’s keine Pause, nackig schwimmt man halt durch. Kein Sauerstoffzelt nötig, auch mit 60 geht das noch. Danke, DLRG-Jugendtraining!

Und jetzt? Koffer packen, weiter nach Berlin. Der nächste Blog wartet schon – bleibt dran, es wird spannend!
